Asperger und andere Krankheiten

Bei psychischen Krankheiten ist es oft schwer, die eine von der anderen klar zu unterscheiden. Zwar gibt es gut ausdifferenzierte Symptomkataloge. Die Forschung tut sich jedoch schwer damit zu erklären, wie psychische Erkrankungen entstehen und welche Rolle genetische und soziale Faktoren bei der Ausprägung der Symptome spielen.

Asperger und Komorbiditäten

Von einer Komorbidität spricht man, wenn mehrere diagnostisch unterschiedliche Störungsbilder vorliegen. Sie müssen nicht ursächlich zusammenhängen, können sich aber durch die vorliegenden Umstände gegenseitig begünstigen. Gewisse Verhaltensweisen, die typisch für Asperger-Patienten sind, sind also möglicherweise die Ursache dafür, dass sich im Verlauf des Lebens weitere Störungen ausbilden. Ärzte und Psychologen sprechen dann von einer Prädisposition.



Asperger und ADHS

Beide Krankheitsbilder sind einander sehr ähnlich und werden deshalb leicht verwechselt. Ihre Gemeinsamkeit liegt in den Konzentrationsstörungen, die für ADHS ein wesentliches Diagnosekriterium sind und bei Asperger ebenfalls auftreten können. Den Patienten gelingt es dann nicht, ihre Aufmerksamkeit bewusst zu steuern. ADHS gibt es in zwei Ausprägungen. Die Hyperaktivität ist gekennzeichnet durch hohe Impulsivität und Reizanfälligkeit. In der hypoaktiven Variante ziehen sich die Patienten in sich selbst und ihre Traumwelten zurück. Im Gegensatz zu den Asperger-Patienten haben die “Hypos” jedoch grundsätzlich die Möglichkeit, in die Realität zurückzukehren.

Asperger und affektive Störungen

Zu den affektiven Störungen zählen etwa Depressionen und Angst. Asperger-Patienten haben ein statistisch überdurchschnittliches Risiko, daran zu erkranken. So erleben sie etwa häufig ablehnende Reaktionen ihrer Umwelt. Zudem wünschen sich erwachsene Asperger-Patienten sehr häufig enge zwischenmenschliche Beziehungen, ohne diese aber eingehen zu können. Darin sehen Forscher die wichtigsten Ursachen für das gleichzeitige Auftreten beider Krankheitsbilder. Wichtig ist, dass der erfolgreiche Verlauf der Therapie des Asperger-Syndroms durch Angst oder Depressionen gestört werden kann.



Asperger und Persönlichkeitsstörungen

Alle Persönlichkeitsstörungen sind im Kern Störungen des Aufbaus eines stabilen Selbstbildes. Das kann nur regelmäßige und stabile soziale Interaktion aufgebaut werden. Unsere Eigenschaften erfahren wir, wenn unser Umfeld systematisch darauf reagiert. Eine typische Reaktion auf ein instabiles Selbstwertgefühl ist die Flucht in Vermeidungsstrategien, wie Größenwahn oder impulsives Verhalten. Die mangelnde Anbindung der Asperger-Patienten in die soziale Realität ist eine Ursache, welche die Ausbildung von Persönlichkeitsstörungen begünstigen kann. Häufig beschrieben sind Zusammenhänge zwischen Asperger und Schizophrenie.

Asperger und Zwangsstörungen/Tourette
Die hohe Ritualisierung, die im Verhalten von Asperger-Patienten zu beobachten ist, kann in einigen Fällen zu Zwangsstörungen führen. Dann fühlen die Patienten einen inneren Drang, gewisse Handlungen auszuführen oder kreisen hilflos um einen bestimmten Gedanken. Bei Tics, wie sie dem Tourette-Syndrom typisch sind, können die Patienten einen bestimmten Ablauf ihrer Körperbewegungen – etwa mit dem Finger schnipsen oder Naserümpfen – oder Äußerungen nicht willentlich steuern.